Antiziganismus in der internationalen Politik - Roma-Bürgerrechtsbewegung um Jahrzehnte zurückgeworfen

Presseerklärung
Europäisches Zentrum für Antiziganismusforschung e.V.

29.03.2015

Antiziganismus in der internationalen Politik
Roma-Bürgerrechtsbewegung um Jahrzehnte zurückgeworfen

Die europäischen Institutionen haben kein Interesse an der Zusammenarbeit mit Roma-Vertretern. Dies ist eine beängstigende Entwicklung.
Denn wenn es keine vertretenden repräsentativen Strukturen gibt, wird es eine beängstigende Entwicklung geben.
Im Jahr 2004 wurde die Idee des European Roma and Travellers Forum (ERTF) geboren. Schon in der Namensgebung war sie eine Missgeburt. Der Begriff „Traveller“ (Reisende) unterstellt, wir seien wie das Vorurteil besagt nomadisch. Allein dieser ist schon antiziganistisch.
Jedoch hätte man mit dem Namen leben können, wenn es denn vorwärts gegangen wäre. Dies war jedoch nicht der Fall. Das ERTF hat im guten Willen versucht, eine repräsentative und demokratische Struktur zu schaffen, damit Europas Institutionen und Länder einen demokratisch gewählten Ansprechpartner der Roma haben. Dieser wurde jedoch nirgends eingebunden. Im Gegenteil. Zur selben Zeit wurden auf EU-Ebene über die EU Roma Police Group Gegenspieler, die nicht demokratisch gewählt sind und niemanden vertreten, außer sich selbst, als Vertreter gegen das Forum aufgebaut. Mit den Worten von Joachim Ort (Europäische Kommission): „wir entscheiden, wer unsere Partner sind“. Frei nach dem Motto eines Diktators und nicht eines Demokraten in einer demokratischen Institution. Einen noch übleren Nachgeschmack kriegt diese Aussage aus dem Mund eines Deutschen.
Europa hat kein Interesse an der demokratischen Vertretung der bis zu 20 Millionen EU Roma.
Es drängt sich die Frage auf, wer an der Eskalation der Situation Interesse hat? Es ist nur eine Frage der nächsten Zeit, wann Europa hochgeht.
Zehn Jahre hat das ERTF mit einem lachhaften Budget von 155.000 EUR im Jahr ein jährliches Meeting des Parlamentes und eine Stelle mit Büro im Europarat finanziert bekommen. Zur gleichen Zeit bekam allein im Europarat die „Gypsy Divisions“ das Dreißigfache. Ohne Ergebnisse zu produzieren.
Durch die Arbeit und Einbindung im ERTF sind die jahrzehntealten Internationalen Roma-Verbände in Kleinstaaterei verfallen. Den Roma National Congress und die Internationale Roman Union gibt es nicht mehr. Zehn Jahre ERTF, Europarat, Straßburg und seine Institutionen haben die Strukturen aufgerieben und ihnen ihrer Strukturen und Positionen geraubt.
Wenn dies das Ziel des Europarates war, so wurde es erreicht. Nur um was für einen Preis: desillusionierte europäische Roma! Diese Entwicklung kann gar nicht als dramatisch genug eingeschätzt werden. Seit 1974 hatten die Roma ihre Vertretungen, denen sie vertrauten und die sie vertraten. Dieses ist dahin. Umso gefährlicher wird die Situation. Dass die perspektivlosen auf Müllhalden lebenden Menschen sich auflehnen werden, liegt auf der Hand.
Europa hat gezeigt, dass es nicht an einer politischen Inklusion der Roma interessiert ist.
Stattdessen wird ein Volk, das in Europa um seine Bürger- und Menschenrechte kämpft, nicht politisch gefördert. Das ERTF wird nicht weiter finanziert. Stattdessen wird ein European Roma Institute zur Förderung der Kultur geschaffen. Einfach nur dumm. Unsere Kultur bewahren wir seit 1000 Jahren, unsere Bürger- und Menschenrechte, um die kämpfen wir seit 600 Jahren in Europa.
Schlussendlich muss ich feststellen, dass die Unterstützung und der Aufbau des ERTF ein Fehler war. Jedoch gab es damals die Hoffnung auf eine Inklusion in die Struktur des Europarates. Der Preis war die Vernichtung der seit Jahrzehnten existierenden internationalen Vertretungsstrukturen. Es ist nicht nur ein Jahrzehnt verschwendet worden, sondern die internationale Vertretung der Roma wurde um Jahrzehnte zurückgeworfen. Der Glaubwürdigkeit von Roma-Vertretern wurde vorsätzlich Schaden zugefügt.
Jedoch wird das Forum ein Vermächtnis hinterlassen: die Europäische Roma Rechte Charta.
Marko D. Knudsen
Vorsitzender
Europäisches Zentrum für Antiziganismusforschung e.V.
www.EZAF.org

German