{"id":62,"date":"2022-01-30T19:36:36","date_gmt":"2022-01-30T19:36:36","guid":{"rendered":"https:\/\/ezaf.org\/?page_id=62"},"modified":"2022-01-30T19:38:29","modified_gmt":"2022-01-30T19:38:29","slug":"grundlinien-eines-offenen-forschungsrahmens","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ezaf.org\/?page_id=62","title":{"rendered":"Grundlinien eines offenen Forschungsrahmens"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u201eEurop\u00e4ische Zentrum f\u00fcr Antiziganismusforschung\u201c (EZAF) ist eine wissenschaftliche Einrichtung, in der Wissenschaftler\/innen aus verschiedenen Universit\u00e4ten und Mitglieder der Rom- und Cinti-Union (RCU) eine Forschungsgemeinschaft bilden, die das Ziel verfolgt, antiziganistische Einstellungen und Handlungen in den L\u00e4ndern, in denen Angeh\u00f6rige des Sinti- und Roma-Volkes leben, mit den Mittel der wissenschaftlichen Analytik systematisch zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem Wissen, dass die traditionelle \u201eZigeunerforschung\u201c zu menschenverachtenden politischen Handlungen beigetragen hat, versucht EZAF auf der Basis philosophischer Reflexionen einen neuen Forschungsansatz, der in nicht-vergegenst\u00e4ndlichender Form diskriminierende Denksysteme in den gesellschaftlichen Institutionen in Frage stellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Forschungsziele sind: Sensibilisierung in den institutionellen Diskursen anzusto\u00dfen und zugleich die Intellektuellen der Sinti- und Roma-Gemeinschaft in ihrem Kampf um gesellschaftliche Anerkennung und Integration zu ermutigen und zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"die-forschungshypothese\">Die Forschungshypothese<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Antiziganistische Vorurteile sind in weiten Bereichen der Bev\u00f6lkerung, aber auch in den Medien und den gesellschaftlichen Institutionen weiterhin unaufgekl\u00e4rt und manifest verankert. Sie werden in aller \u00d6ffentlichkeit ungefiltert ge\u00e4u\u00dfert. Es handelt sich offensichtlich um eine mentale und handgreifliche innergesellschaftliche Feinderkl\u00e4rung, mit der bekannten Folge, die Mitglieder der Minderheit von den gesellschaftlichen Verwirklichungschancen auszuschlie\u00dfen. Dies gilt es, genauer zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"wissenschaft-und-antiziganismus\">Wissenschaft und Antiziganismus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Basis eines in den b\u00fcrgerlichen Schichten und in der akademischen Welt weit verbreiteten Rassismus haben Wissenschaftler unter dem Signum der \u201eZigeunerforschung\u201c in der Zeit des Nationalsozialismus mit offenbar reinem Gewissen und \u201ewissenschaftlichen\u201c Anspruch diskriminierende \u201eErmittlungen\u201c \u00fcber Menschen \u2013 zuweilen auch unter Polizeischutz \u2013 empirisch erhoben und damit der brutalen Vertreibungs- und Vernichtungspolitik zugearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angesehene Wissenschaftler lieferten das Gedankenmaterial f\u00fcr eine verantwortungslose Politik, die dann diese Vorgaben praktisch umsetzte, wobei nicht selten wiederum akademisch gebildete T\u00e4ter auch \u2013 z.B. als F\u00fchrungskr\u00e4fte im RSHA oder gar als Kommandeure der sog. Einsatzgruppen \u2013 selbst mit Hand anlegten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch im demokratisch verfassten Nachkriegsdeutschland wurden Diskriminierung und Verfolgung der Roma und Sinti \u2013 zuweilen von den gleichen Personen und \u00c4mtern, die f\u00fcr ihre fr\u00fchere Verfolgung verantwortlich gewesen sind \u2013 , weiter betrieben. Diskriminierendes Denken kann aber auch in \u2013 dem Volk der Sinti und Roma gegen\u00fcber durchaus positiv gemeinten \u2013 sog. tziganistischen Forschungen angelegt sein, sofern sie in ihrem Forschungsansatz den vergegenst\u00e4ndlichenden Blick vom Au\u00dfenstandpunkt aus nicht verlassen, z.B. in sog. ethnologischen Studien \u00fcber \u201ezigeunerische Lebensweisen\u201c. In diesem Forschungsinteresse werden soziale Verhaltensweisen zu einem ethnischen Habitus, zu einer Art volkstypischen Verhaltens verobjektiviert mit dem Ergebnis, Menschen der Roma und Sinti-Gemeinschaft zu \u201eObjekten einer Sozialarbeit\u201c zu degradieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei aller Unterschiedlichkeit der Forschungsintentionen ist dem wissenschaftlichen Denken dieser Forschungsans\u00e4tze jedoch eine grundlegende \u201eVergegenst\u00e4ndlichungsoptik\u201c zu eigen \u2013 mit fatalen Folgen f\u00fcr die \u201eVerobjektivierten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungeachtet der Tatsache, dass es die Wissenschaft nicht gibt und unabh\u00e4ngig davon, ob unsere Kritik an dem Vergegenst\u00e4ndlichungs-Paradigma des modernen wissenschaftlichen Denkens in allen F\u00e4llen stichhaltig ist, bleibt es doch auch eine Tatsache, dass die Sinti und Roma in ihrer historischen Erfahrung \u201edie\u201c Wissenschaft erlebt und in ihrem kollektiven Bewusstsein als eine Institution gespeichert haben, die sie sowohl theoretisch als auch praktisch \u201evergegenst\u00e4ndlicht\u201c hat. F\u00fcr diese Menschen steht \u201edie Wissenschaft\u201c seither unter dem Verdacht, antiziganistisch zu sein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"wir-haben-daraus-schlussfolgerungen-zu-ziehen\">Wir haben daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.<\/h3>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"der-forschungsansatz\">Der Forschungsansatz<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die historisch reflektierte und wissenschaftsphilosophisch begr\u00fcndete ethische Haltung der Wissenschaftler\/innen des EZAF orientiert sich an der Grundentscheidung, nicht<strong>&nbsp;\u00fcber<\/strong>&nbsp;Roma und Sinti, auch nicht&nbsp;<strong>f\u00fcr<\/strong>&nbsp;sie, sondern&nbsp;<strong>mit<\/strong>&nbsp;ihnen zu forschen. Nicht die Roma und Sinti sind das zu untersuchende Problem. Das Problem ist das diskriminierende Denksystem im Alltagsleben und in den gesellschaftlichen (einschlie\u00dflich der wissenschaftlichen) Institutionen der Mehrheitsgesellschaft, ein Denksystem, das die \u201eProbleme\u201c erst erschafft. Praktisch f\u00fchrt diskriminierendes Denken dazu, Menschen \u201eVerwirklichungschancen\u201c (Amartya Sen ) in der Gesellschaft vorzuenthalten. Hier kommen die gesellschaftlichen Organisationen ins Spiel. Sie markieren die Schnittpunkte des Zusammentreffens der Individuen mit materiell-institutionellen Bedingtheiten der Gesellschaft, konkret: das prek\u00e4re, historisch begr\u00fcndete Verh\u00e4ltnis der Sinti und Roma zu den Institutionen Schule, Polizei, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche, Medien, etc., Einrichtungen also, denen ein in langer Tradition ausgebildeter vergegenst\u00e4ndlichender Blick auf Menschen zu eigen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Begriffsbildung des Forschungsansatzes ist deshalb von grundlegender Bedeutung. Begriffe k\u00f6nnen f\u00fcr das Lebensverst\u00e4ndnis abschlie\u00dfend wirken, passivisieren, einschl\u00e4fern, anschauungsleer und universalistisch sein, oder aber sie k\u00f6nnen Erfahrungen er\u00f6ffnen, beunruhigen, Perspektiven entstehen lassen und handlungsmotivierend sein. Eine fragende Wissenschaft er\u00f6ffnet Problemstellungen, ohne auf feststellende L\u00f6sungen fixiert zu sein. Institutionen wie beispielsweise die traditionelle Schule oder auch religi\u00f6se Prediger leben dagegen von Antworten, die sie in nicht-offene Fragen zur\u00fcck\u00fcbersetzen \u2013 und damit das Denken ruhig stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">EZAF versteht sich als offene Forschungseinrichtung und dar\u00fcber hinaus auch als eine begriffssch\u00f6pfende Bildungsst\u00e4tte f\u00fcr Junge M\u00e4nner und Frauen aus der Sinti-und Roma-Gemeinschaft, die in die Untersuchungen als Experten ihrer je individuellen und kollektiven Erfahrung (in und mit der Schule, mit der Verwaltung, in den \u00dcberlieferungen des Familiendiskurses, mit der Polizei, in der Darstellung der Medien) mit einbezogen und zugleich zu Interviewern im Kreis der ethnischen Minderheit ausgebildet werden. Sie lernen Begriffe kennen, in denen sie ihre Erfahrungen zur Sprache bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziel dieses Bildungsangebots ist es, jungen Menschen aus der Sinti- Roma-Gemeinschaft die M\u00f6glichkeit zu er\u00f6ffnen, sich zu dem heran zu bilden, was Antonio Gramsci \u201eorganische Intellektuelle\u201c nennt: Menschen, die den Kampf ihres Volkes um gesellschaftliche Anerkennung und Integration \u2013 bei Wahrung der Differenz \u2013 sozusagen \u201eaus der Mitte heraus\u201c argumentativ st\u00fctzen und begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Forschungsmethode<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer nicht&nbsp;<strong>\u00fcber<\/strong>&nbsp;Menschen oder&nbsp;<strong>f\u00fcr<\/strong>&nbsp;sie, sondern&nbsp;<strong>mit<\/strong>&nbsp;ihnen forscht, steht nicht au\u00dferhalb, oberhalb, unter oder neben seinem Forschungsobjekt, sondern mitten in ihm. Er betreibt soz. eine Forschung aus der Mitte heraus, dessen Teil er selbst ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser wissenschaftskritische Ansatz ist nicht aus den fakultativ denkenden Wissenschaftsdisziplinen herzuleiten sondern aus philosophischer Sicht neu zu begr\u00fcnden. Wir beziehen uns hierbei auf die philosophischen Denkans\u00e4tze von Heidegger, Foucault, Deleuze, Levinas, Bourdieu und auf den Nobelpreistr\u00e4ger und Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb bleiben die folgenden Ausf\u00fchrungen auch notwendiger Weise abstrakt, k\u00f6nnen aber einen intellektuellen Raum bieten f\u00fcr die Kooperation der Wissenschaftler\/innen von EZAF in den konkreten Forschungsvorhaben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"einige-stichpunkte\">Einige Stichpunkte:<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die traditionelle wissenschaftliche Denkweise geht seit Descartes davon aus, dass ein transzendentales Ich (also ein Bewusstseins-Ich, das nicht in der Welt ist, sondern quasi von einem Au\u00dfenstandpunkt die Welt in den Begriff nimmt) die Welt der Dinge und Menschen zum<strong>\u201eGegenstand\u201c<\/strong>&nbsp;seines forschenden Interesses macht. Vergleichbar mit der T\u00e4tigkeit eines J\u00e4gers, der das Wild mit einem ausgekl\u00fcgelten System der Einkreisung stellt, um es mit den \u00fcberlegenen Mitteln seines T\u00f6tungsinstrumentes zu erlegen. Martin Heidegger , von dem dieser Vergleich stammt, nennt dieses \u2013 auf wissenschaftliches Vorgehen bezogene \u2013 Beispiel, die Welt im transzendentalen Blick zum \u201eBestand\u201c festzustellen. Folglich spricht er auch nicht von Gesetzen, die der forschende Mensch der Natur einschreibt, sondern von \u201eGestellen\u201c. Der wissenschaftliche J\u00e4ger ist durch sein Zielfernrohr hindurch reiner Blick auf die verwirrende Vielfalt der Natur. Er selbst kommt nicht in den Blick. Sein Interesse ist es, die Vielfalt zu ordnen und den Gegenstand seines Interesses zu fixieren, zu \u201estellen\u201c, zum Bestand zu machen, d.h. zu t\u00f6ten. M.a.W. Sein Jagdeifer ist \u201ezentriert\u201c auf die Definition, die Festlegung des Jagdopfers, sein Jagdinteresse ist befriedigt im Herstellen des \u201eBestands\u201c, d.h. in der T\u00f6tung, im Herausschie\u00dfen des Lebendigen, des Fremdartigen, des Widerst\u00e4ndigen etc. Freilich ist sein Hunger dadurch nur kurzfristig gestillt, er wird in seinem Jagdeifer nicht nachlassen.<\/li><li>Gilles Deleuze nennt dieses wissenschaftliche Denken \u201ezentrisch\u201c, zentrierend, also die Vielfalt auf einen Gegenstand zusammendenkend, so dass er \u2013 f\u00fcr welche Interessen auch immer \u2013 \u201everf\u00fcgbar\u201c wird. Die nazistische Zigeuner-Forschung stellt nur die extreme Form einer seit der Aufkl\u00e4rung bis heute mehr oder weniger unreflektierten zentrischen Praxis der wissenschaftlichen Denkweise dar. Aus dieser Wissenschaftskritik leitet Deleuze seine Forderung nach einer&nbsp;<strong>a-zentrischen<\/strong>&nbsp;Forschungsoptik ab : Als Wissenschaftler stehen wir inmitten der Vielfalt der Dinge, wir sind verwickelt in die Ereignisse, sind Produzenten von Wissen und zugleich deren Produkt. Unsere Aufgabe ist es, zu fragen und aus Fragen andere Fragen abzuleiten \u2013 mit dem Ziel, die Fixierungen des vergegenst\u00e4ndlichenden Denkens in den gesellschaftlichen Institutionen und im allgemeinen gesellschaftlichen Diskurs in Frage zu stellen, d.h. fragend aufzubrechen.<\/li><li>Freilich kann damit das Denken nicht aufh\u00f6ren. Vielmehr geht es um den Versuch, \u201eanders zu denken, als man denkt\u201c (Foucault ). Dazu geh\u00f6rt, den Begriff des Gegenstands der Forschung und das Forschungsdenken selbst \u201eanders zu denken\u201c, indem man den \u201eGegenstand\u201c nicht in \u201eBestandskategorien\u201c sondern als ein lebendiges Ensemble differenter Merkmale denkt. Michel Foucault hat daf\u00fcr den Begriff&nbsp;<strong>\u201eDispositiv\u201c&nbsp;<\/strong>vorgeschlagen. Was ein \u201eDispositiv\u201c ist, l\u00e4sst sich am besten mit seinen eigenen Worten kl\u00e4ren:. Es ist \u201eein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Ma\u00dfnahmen, wissenschaftliche Aussagen, moralische oder philanthropische Lehrs\u00e4tze, kurz: Gesagtes ebenso wohl wie Ungesagtes umfasst. Soweit die Elemente des Dispositivs. Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen gekn\u00fcpft werden kann.\u201c Der \u201eGegenstand\u201c der hier angedachten, aus der Mitte heraus denkenden Forschung ist keine feste Gr\u00f6\u00dfe mit erkennbarer Wahrheit, sondern ein komplexes bewegliches Ensemble des Zusammenspiels von Individuen im Geflecht materiell-institutioneller Bedingungen. Hier entstehen keine Antworten mit Wahrheitscharakter sondern Fragen, die zu neuen Fragen f\u00fchren.<\/li><li>Extrem problematisch wird es, wenn die wissenschaftliche Forschung sich dem Objekt \u201eMensch\u201c zuwendet. Im forschenden Auge des Wissenschaftlers versteinert sich die lebendige Singularit\u00e4t in eine universelle Kategorie mit feststellenden Wesensz\u00fcgen, Strukturen, Identit\u00e4ten, denen \u2013 je nach Interesse \u2013 beliebige Merkmale zugeschrieben oder aberkannt werden k\u00f6nnen. Auch hier bietet die nazistische \u201eZigeunerforschung\u201c als Hilfsorgan f\u00fcr praktische Politik ein anschauliches Beispiel. Der Philosoph Emmanuel Levinas, dessen Familie dem Holocaust zum Opfer fiel, hat uns gelehrt, dass der Mensch sich jeder Art von wissenschaftlichem (und politischem) Zugriff prinzipiell entzieht. Und gerade diese fundamentale&nbsp;<strong>Unverf\u00fcgbarkeit des \u201eAnderen\u201c<\/strong>&nbsp;bindet die Wissenschaft (und die Politik) in eine Verantwortung, die nicht gew\u00e4hlt, also auch nicht abgew\u00e4hlt werden kann \u2013 eine ethische Grundhaltung, die in ihrem Forschungsverhalten dem Singul\u00e4ren, dem Lebendigen, dem Unvereinbaren \u2013 dem Nicht-T\u00f6ten \u2013 verpflichtet ist. Die EZAF-Wissenschaftler ziehen daraus die Konsequenz, nicht \u00fcber Roma und Sinti zu forschen, sondern \u2013 gemeinsam mit ihnen \u2013 die diskriminierenden (also fest-stellenden) Denksysteme der gesellschaftlichen Institutionen darauf hin zu befragen, inwieweit sie den Menschen \u2013 hier insbesondere Kindern und Erwachsenen der Roma- und Sintigemeinschaft \u2013 \u201eVerwirklichungschancen\u201c (Amartya Sen) erm\u00f6glichen oder vorenthalten.<\/li><li>Es wird verst\u00e4ndlich geworden sein, dass diese Forschungshaltung nicht in dem engen Konzept fakultativer Wissenschaftsdisziplinen realisiert werden kann. \u201eAus der Mitte\u201c heraus a-zentrisch zu forschen kann nur in&nbsp;<strong>\u201etransdisziplin\u00e4rer\u201c<\/strong>&nbsp;Kooperation von Wissenschaftler\/innen gelingen, die sich der Problematik disziplin\u00e4rer (auch inter- oder polydisziplin\u00e4rer) Objektkonstruktion bewusst sind.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"praktische-kooperation\">Praktische Kooperation<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">EZAF arbeitet mit den in den Organen der EU gew\u00e4hlten Roma- und Sinti-Vertretern kooperativ zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">EZAF strebt auf der Basis des hier entwickelten Forschungskonzeptes die Kooperation mit (universit\u00e4ren und au\u00dferuniversit\u00e4ren) wissenschaftlichen Institutionen und gesellschaftlichen Organisationen europaweit an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gef\u00f6rdert werden dar\u00fcber hinaus politische Initiativen, die aktiv daran mitwirken, die kulturelle Identit\u00e4t des Roma- und Sinti-Volkes einerseits zu st\u00fctzen und andererseits zugleich den gesellschaftlichen Integrationsprozess positiv zu begleiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201eEurop\u00e4ische Zentrum f\u00fcr Antiziganismusforschung\u201c (EZAF) ist eine wissenschaftliche Einrichtung, in der Wissenschaftler\/innen aus verschiedenen Universit\u00e4ten und Mitglieder der Rom-&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-62","page","type-page","status-publish","hentry"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ezaf.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/62","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ezaf.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ezaf.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ezaf.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ezaf.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/ezaf.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/62\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ezaf.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}