Presseerklärung zum latenten Antiziganismus in Deutschland

Hamburg den, 25.01.2015

Viele Menschen in Deutschland wundern sich über die aktuellen Entwicklungen um die PEGIDA-Bewegung und die AfD. Diese sind gar nicht verwunderlich, denn wer Fremdenangst sät, wird Rassismus ernten. Gesät hat die deutsche Medienlandschaft mit der CDU/CSU, geerntet wird die AfD und PEGIDA-Bewegung. Das passiert, wenn Politiker und Medien undifferenziert Parolen in die Welt setzen. Das Resultat ist heute, dass die Büchse der Pandora weit geöffnet ist.

Schuld an dieser leidigen Situation ist die Diskussion um das Asylrecht in Deutschland. Die letzten Jahre wurde systematisch gegen Roma und Sinti gehetzt. Armutseinwanderung, Bettel-Mafia, Klau-Mütter, Sozialbetrüger, Angst vor Selbstjustiz usw. Dieses waren Schlagworte in den deutschen Medien, die dankbar von Seiten der CDU/CSU und jetzt auch von AfD und PEGIDA übernommen werden. Es ist diesen Hetzern, zu deren Anführern Innenminister de Maizière zählt, in gewohnter Tradition zu seinem Vorgänger Friedrich, der schon drei Stunden nach der Eröffnung des Mahnmals für die während der NS-Zeit ermordeten Roma und Sinti in Berlin gegen Roma aus Bulgarien und Rumänien hetzte. Die Zahlen zur Einwanderung sprechen andere Wahrheiten. 500.000 Menschen sind aus Bulgarien und Rumänien nach Deutschland gekommen und haben eine geringere Arbeitslosenquote als die deutsche Mehrheitsbevölkerung. Es geht heute aber nicht mehr um Bulgarien und Rumänien, sondern um die Überlebensflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. Hier soll sogar das Grundrecht auf Asyl eingeschränkt werden. Jedoch entbehrt der Ansatz der „sicheren Herkunftsstaaten“ jeglicher realistischer Einschätzung der Situation. Natürlich führt auch in diesen Staaten der gesellschaftliche Antiziganismus, der sich tapfer als europäischer Kulturkodex hält, zu einer politisch umgesetzten Ausgrenzung, Rassismus und Diskriminierung in den so genannten „sicheren Herkunftsstaaten“. Heute ziehen Zehntausende durch Deutschland und fordern Ausweisungen, im Grunde hauptsächlich von Roma und fälschlicherweise auch Sinti (Sinti sind deutsche Staatsbürger). Dies zeigt den klaren latenten Antiziganismus, den sich diese Bewegungen in Worte wie Asyl und Asylmissbrauch zurechtlegen. Dies wird natürlich nicht offen formuliert, denn diese Rassisten wollen nicht als solche auffallen. Äußerungen des Innenministers de Maizière am 21.01.2015 zeigen klar, wessen Geistes Kinde der Herr ist: „Kriegsflüchtlinge lassen sich besser integrieren als Wirtschaftflüchtlinge“.

Es marschieren in Deutschland wieder die sich aus ihrer Angst nährenden Rassisten und Demokratiefeinde. Es wird breit von der Politik gefordert, sich den Ängsten und Themen dieser Hassköpfe auseinander zu setzen. Jedoch, wie will man soll man sich mit solchen Parolen auseinandersetzen? Die Basis zur Diskussion fehlt, wenn das gesamte politische und demokratische System von Seiten der PEGIDA abgelehnt wird, Argumente und Einsicht fehlen?

Jedwede Verantwortung den Roma und Sinti gegenüber aus der Vernichtung während der NS-Zeit wird einfach weggewischt und Ressentiments aus der dunkelsten Epoche unseres Landes werden wieder so gesellschaftfähig, dass die Hetze aus einer Gruppe schallt, die sich „das Volk“ nennt.

Marko D. KnudsenVorsitzender - Europäisches Zentrum für Antiziganismusforschung e.V.Vorsitzender - Bildungsverein der Roma zu Hamburg e.V.Kanididat für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft am 15.02.2015 - Liste 5 Die Grünen Landeslistenplatz 20 http://www.Facebook.com/GruenerKnudsen #hhwahl #mitgruengehtdas #GruenerKnudsen

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