Das „Z-Wort“ - Eine Analyse des Begriffes durch einen Angehörigen der Minderheit der Roma

Das „Z-Wort“ ist nichts anderes als das Wort „Zigeuner“. Dies ist ein sehr unappetitlicher Modebegriff, dessen Ursprung in der linken und anarchistischen Szene Berlins zu finden ist. In Hamburg ist mir dieser Begriff noch nie zu Ohren gekommen. Seit zwei Jahren bekomme ich nun vermehrt aus Kreisen der Sinti, Roma und anderer Berliner Aktivisten die Frage gestellt, was ich von dieser Begrifflichkeit halte. Die meisten bestärkten mich in meiner Argumentation. Es scheint hier Positionierungsbedarf zu bestehen. Meiner Meinung nach als Vorsitzender des Europäischen Zentrums für Antiziganismusforschung, ist dieser Begriff eigentlich nur peinlich, bedenklich würde er, wenn die Bezeichnung „Z-Wort“ ihren Weg in die breite Öffentlichkeit finden oder gar sich wissenschaftlich etablieren würde. Versteckt wird das Z-Wort benutzt wohl wissend des Hintergrundes, dass dieses weder politisch noch sozial korrekt ist.

Warum nicht bei „Zigeuner“ bleiben, wenn es denn der eigenen Ideologie entspricht oder es nur wiedergegeben wird?

Der Begriff Zigeuner ist klar diskriminierend und abzulehnen. Er ist verbunden mit Vorurteilen, die zu jahrhundertelanger Ausgrenzung und Vernichtung führten. Die negativen Klischees mit denen Roma und Sinti während der NS-Zeit entmenschlicht wurden, waren durch die Begrifflichkeit Zigeuner geprägt. Den Begriff Zigeuner aus dem deutschen Sprachgebrauch zu entfernen, ist nicht das Ziel meiner Arbeit. Das Wort Zigeuner hat seinen Existenzanspruch in der historischen Verantwortung, die ihm zusteht, als Begriff der Vernichtungsmaschinerie der Nazis und ihrer europäischen Verbündeten, von denen es viele gab. Leider ist dieser, in der NS-Zeit gesäte Antiziganismus bisher nicht aufgearbeitet und dieses in ganz Europa nicht. Denn perfiderweise verfiel ganz Europa, ob Nazis oder Alliierte, dem Antiziganismus.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Begriffe Zigeuner oder Z-Wort nicht bei der Ansprache von Menschen anzuwenden sind, die zu Volksgruppen der Roma oder Sinto gehören. Jeder sollte so genannt werden, wie er es möchte. Ich kenne keinen einzigen Roma oder Sinto, der es vorzieht, Zigeuner genannt zu werden. Ein Gefühl drängt sich mir bei dem Thema noch auf. Könnte es sein, dass die Nutzer des Begriffes „Z-Wort“ einfach gerne „Zigeuner“ sagen würden und sich einfach nicht trauen? In dem Fall würde ich stark empfehlen, sich mal mit seinen eigenen Vorurteilen über die Zigeuner auseinanderzusetzen.

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